Gute Gründe für einen Dry January

Wie Alkoholkonsum unser Gehirn, unsere Hormone und unsere Gesundheit langfristig beeinflusst.

Dry January lädt dazu ein, für einen Monat auf Alkohol zu verzichten. Für viele ist das ein Experiment, für andere eine kleine Pause nach den Feiertagen.

Doch was passiert eigentlich im Körper, wenn wir Alkohol trinken, selbst in kleinen Mengen? Wie reagiert unser Gehirn und unsere Hormone darauf? Und wie lange braucht unser Körper um sich vom Alkohol vollständig zu erholen?

Was ist Alkohol?

Alkohol bezeichnet eine Gruppe chemischer Verbindungen. Ethanol ist der einzige Alkohol, der für den menschlichen Konsum geeignet ist. Die beiden anderen Alkoholarten, Methanol und Isopropanol, sind hochgiftig und lebensgefährlich. Auch Ethanol ist toxisch, wird vom menschlichen Körper jedoch teilweise abgebaut.

Ethanol ist ein Nerven- und Zellgift. Er gehört chemisch zu den Toxinen, also zu Stoffen, die für unseren Körper schädlich sind. Anders als Vitamine oder Nährstoffe hat Alkohol keine positive biologische Funktion. Jede Menge, die wir trinken, muss vom Körper aktiv entgiftet werden.

Wie baut der Körper den Alkohol ab?

Nach dem Trinken gelangt Alkohol schnell ins Blut – ein Teil direkt durch die Magenwand, der grösste Teil über den Dünndarm. Von dort verteilt er sich über den Blutkreislauf im ganzen Körper, auch im Gehirn. Der Abbau durch die Leber beginnt bereits unmittelbar nach der Einnahme.

Dabei läuft ein zweistufiger Prozess ab:

  1. Zunächst wird Ethanol zu Acetaldehyd umgewandelt. Acetaldehyd ist ein hochtoxisches Abbauprodukt, das für viele der negativen Effekte von Alkohol verantwortlich ist.

  2. In einem zweiten Schritt wird Acetaldehyd zu Acetat abgebaut. Acetat ist deutlich weniger toxisch und wird anschliessend in den normalen Energiestoffwechsel eingeschleust. Dabei wird sein Kohlenstoff vollständig zu Kohlendioxid umgewandelt und über die Atmung ausgeschieden. Gleichzeitig entsteht Wasser, das in den Wasserhaushalt des Körpers übergeht oder über Urin und Schweiss ausgeschieden wird.

Acetaldehyd ist dabei besonders problematisch. Es ist hochgiftig, entzündungsfördernd und kann Zellen und DNA schädigen. Diese Stoffe wirken sich auf das Gehirn, die Organe und den Hormonhaushalt aus. Der Körper versucht zwar, diese Substanzen schnell loszuwerden, aber solange Alkohol regelmässig konsumiert wird, entsteht immer wieder neues toxisches Material.

Wann entsteht der Schaden?

Schäden durch Alkohol entstehen meist nach längerem, chronischem Konsum. Wer regelmässig trinkt, gilt als chronischer Konsument. Dabei bedeutet „chronisch“ nicht automatisch „exzessiv“. Schon einmal pro Woche, jede Woche, etwa ein paar Gläser Wein oder einige Drinks, reicht aus, um als regelmässiger Konsument eingestuft zu werden.

Auch dieser niedriger oder moderater Konsum kann langfristig Auswirkungen haben.

  • Niedriger Konsum: 3–5 Gläser pro Woche

  • Moderater Konsum: etwa 7 Gläser pro Woche

Selbst diese Mengen können einen negativen Einfluss haben, wenn sie regelmässig eingenommen werden. Studien zeigen, dass bereits geringe, aber regelmässige Mengen zu messbaren Veränderungen im Gehirn, einem erhöhten Stresshormonspiegel und einem leicht erhöhten Krebsrisiko führen können.

Ist jeder Alkohol schädlich?

Ja. Auch Rotwein. Der oft zitierte „gesunde Rotwein“ ist ein Mythos. Zwar enthält Rotwein Resveratrol, eine Substanz mit potenziell positiven Effekten. Um jedoch eine wirksame Menge aufzunehmen, müsste man so viel Wein trinken, dass der Schaden durch den Alkohol den möglichen Nutzen bei Weitem übersteigt.

Einfluss auf das Gehirn

Alkoholkonsum verändert sowohl die Struktur als auch die Funktion unseres Gehirns. Besonders betroffen ist der präfrontale Kortex, der Bereich, der für das Urteilsvermögen, die Impulskontrolle und die Entscheidungsfähigkeit zuständig ist.

Viele wissen nicht, dass diese Veränderungen nicht nur während des Trinkens auftreten, sondern auch im nüchternen Zustand. Menschen, die regelmässig Alkohol konsumieren, neigen häufiger zu impulsivem Verhalten und zu schlechterem Urteilsvermögen, auch wenn sie gerade keinen Alkohol trinken.

Studien belegen, dass regelmässiges Trinken, selbst in kleinen Mengen, zu messbarer Schrumpfung des Gehirns führen kann.

Alkohol wirkt direkt auf den Hypothalamus, der unter anderem den Stresshaushalt reguliert. Bei regelmässigen Trinkenden wurden erhöhte Cortisolwerte festgestellt, selbst in Phasen ohne Alkoholkonsum. Das erklärt, warum viele Menschen mehr Stress, innere Unruhe, Angstzustände oder Gereiztheit spüren, wenn sie nicht trinken. Der Körper reagiert auf das Fehlen von Alkohol mit einer verstärkten Cortisolausschüttung.

Warum man sich beim Trinken besser fühlt?

Alkohol erhöht kurzfristig den Serotoninspiegel, was uns geselliger, entspannter und euphorischer macht. Dieses Gefühl hält jedoch nicht ewig an. Nach dem Abfall des Serotonins entsteht oft das Bedürfnis nach dem nächsten Drink, um sich wieder gut zu fühlen.

Wenn Alkohol besonders stark belebt oder glücklich macht, kann das ein Hinweis auf eine Prädisposition für Alkoholmissbrauch sein. Das bedeutet nicht zwingend übermässigen Konsum, sondern eine erhöhte Anfälligkeit.

Hormone aus dem Gleichgewicht

Alkohol fördert die Umwandlung von Testosteron in Östrogen. Bei Frauen kann der dadurch bedingte Östrogenanstieg das Risiko für Brustkrebs erhöhen. Bei Männern kann es zu Brustgewebswachstum (Gynäkomastie), verminderter Libido, erhöhter Fetteinlagerung und Energieverlust kommen.

Das Brustkrebsrisiko: der Grund liegt unter anderem in der toxischen Wirkung von Alkohol, die zu genetischen Veränderungen führen kann. Bereits 1 Glas pro Tag oder 7 Gläser akkumuliert pro Woche erhöhen das Brustkrebsrisiko um 4–13 %. Brustkrebs ist häufig östrogenabhängig, und Alkohol beeinflusst genau diesen Hormonhaushalt.

Darm, Leber und Mikrobiom

Alkohol kann die Darmbarriere schädigen und ein sogenanntes Leaky Gut fördern, bei dem unerwünschte Stoffe aus dem Darm in den Blutkreislauf gelangen. Gleichzeitig leidet das Mikrobiom der Leber, was Entzündungen und Stoffwechselprobleme begünstigt.

Wie lange braucht der Körper, um sich vollständig zu regenerieren?

Die Regeneration nach Alkoholkonsum hängt stark davon ab, wie lange und wie viel jemand in seinem Leben getrunken hat. Wer mindestens 10 Jahre lang regelmässig wenig oder moderat Alkohol konsumiert hat, gilt als ein Langzeittrinker und braucht in der Regel deutlich länger, bis sich Gehirn, Leber und Hormonsystem wieder normalisieren, als jemand, der nur wenige Jahre regelmässig konsumiert hat.

Bei Langzeittrinkern kann eine vollständige Regeneration sehr lange dauern. Je länger der Konsum, desto mehr Zeit benötigt der Körper. Jede Phase der Abstinenz bringt jedoch spürbare Verbesserungen. Erste Fortschritte bei Gehirn, Leber, Darm-Mikrobiom, Hormonsystem und Schlaf zeigen sich bereits nach wenigen Tagen bis Wochen.

Eine vollständige Regeneration von den Organen braucht oft 1 bis 2 Jahre.

Wer regelmässig Alkohol konsumiert, hat kaum eine Chance auf eine vollständige Regeneration, da der toxische Abbauprozess den Körper kontinuierlich belastet.

Alkohol ist ein Toxin, das unsere Organe schädigt, unser Gehirn verändert, den Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht bringt und Stress sowie Angst verstärken kann. Der Körper kann sich nur bei vollständiger Abstinenz wirklich von den Schäden erholen.

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Hinweis zur Quelle: Die Inhalte dieses Artikels basieren auf dem Podcast Huberman Lab – What Alcohol Does to Your Brain, Body and Health. Wenn du tiefer einsteigen möchtest, findest du die vollständige Episode hier.

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Hast du Ergänzungen zu unserem Artikel? Dann hinterlasse uns gerne einen Kommentar!


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