Fermentierte Getränke

Lebendige und erfrischende Drinks für ein gutes Bauchgefühl.

Lange bevor es Kühlschränke oder industrielle Lebensmittel gab, nutzten Menschen Fermentation, um Getränke haltbar zu machen, Geschmack zu entwickeln und Nährstoffe besser verwertbar zu machen.

Heute erleben diese traditionellen Getränke ein Comeback. Nicht nur wegen ihres besonderen, prickelnden Geschmacks, sondern auch, weil sie als natürliche Quelle für probiotische Mikroorganismen gelten und damit die Darmgesundheit unterstützen können.

Eine kurze Geschichte der Fermentation

Fermentation gehört zu den ältesten Methoden der Lebensmittelverarbeitung überhaupt. Schon vor tausenden Jahren entdeckten Menschen, dass sich Lebensmittel durch natürliche Gärprozesse nicht nur länger haltbar machen lassen, sondern dabei auch neue Geschmackswelten entstehen.

In vielen Regionen der Welt entwickelten sich dadurch eigene Traditionen fermentierter Getränke:

  • Kombucha in China

  • Wasserkefir im Kaukasus

  • fermentierte Milchgetränke in Zentralasien

  • Kwass in Osteuropa

  • Tepache in Mexiko

Diese Getränke entstanden unabhängig voneinander, folgen aber demselben Prinzip: Mikroorganismen wie Hefen und Bakterien wandeln Zucker im Rahmen der Gärung in Säuren, Kohlensäure und in sehr geringen Mengen Alkohol um. Dieser natürliche Fermentationsprozess ist entscheidend für Geschmack, Haltbarkeit und die lebendige Qualität der Getränke.

Wozu sind fermentierte Getränke gut?

Fermentierte Getränke entstehen durch natürliche Gärprozesse und enthalten dabei lebende Mikroorganismen, sogenannte Probiotika. Diese können die Darmflora unterstützen, indem sie die Vielfalt der Mikroorganismen im Darm fördern und dadurch zentrale Funktionen der Verdauung positiv beeinflussen.

Eine gesunde Darmflora spielt eine wichtige Rolle für das allgemeine Wohlbefinden, da sie unter anderem an der Nährstoffaufnahme, der Verdauung und der Kommunikation mit dem Immunsystem beteiligt ist. Diese Getränke bieten zudem eine natürliche, oft weniger zuckerhaltige Alternative zu Softdrinks.

Wasserkefir (Basis Rezept) - mild & süss

Wasserkefir ist ein traditionelles, milchsaures und kohlensäurehaltiges Gärgetränk, das durch die Fermentation von Zuckerwasser mit sogenannten Kefirkristallen (auch Japankristalle oder Tibicos genannt) entsteht. Es ist eine gesunde, probiotische und kalorienarme Alternative zu herkömmlichen Limonaden

Die Kristalle bestehen aus einer Symbiose von Milchsäurebakterien und Hefen. Sie unterstützen aktiv eine gesunde Darmflora und Verdauung.

Zutaten:

  • 1 Liter Wasser

  • 30 g Wasserkefirkristalle

  • 60 g Zucker (jeder Art)

  • 30 g Trockenfrüchte ungeschwefelt (z.B. Feigen, Datteln, Rosinen, oder Aprikosen)

  • 1-2 Scheiben Zitronen

Zubereitung

  • Löse den Zucker in etwas warmem Wasser auf. Du kannst dafür auch einen Teil des Wassers kurz erhitzen und den Zucker darin auflösen. Fülle anschliessend mit kaltem Wasser auf, bis insgesamt 1 Liter erreicht sind. Das Wasser sollte am Ende Zimmertemperatur haben.

  • Gib nun die Wasserkefirkristalle zusammen mit dem Zuckerwasser in dein Gärglas.

  • Füge danach ungeschwefelte Trockenfrüchte hinzu. Sie geben dem fertigen Wasserkefir einen fruchtigen Geschmack.

  • Für eine leichte Säure und als Schutz vor unerwünschten Keimen gib zusätzlich Zitronenscheiben oder etwas frisch gepressten Zitronensaft dazu.

  • Verschliesse das Gärglas nur locker, damit die entstehende Kohlensäure entweichen kann.

  • Lass das Ganze bei Zimmertemperatur für 1 bis 3 Tage stehen. Bei warmen Temperaturen solltest du den Wasserkefir etwa alle 24 Stunden kurz entlüften.

  • Wenn die Fermentation abgeschlossen ist, siebst du das Getränk ab. Entferne dabei Trockenfrüchte und Zitronenscheiben. Die Kefirkristalle spülst du vorsichtig mit kaltem Wasser ab.

  • Reinige das Gärglas und alle verwendeten Utensilien gründlich. Danach kannst du direkt wieder von vorne beginnen und deinen nächsten Wasserkefir ansetzen

Ginger Beer (Ingwerfermentation) – würzig & scharf

Ginger Beer ist ein fermentiertes Erfrischungsgetränk auf Basis von frischem Ingwer. Anders als Ginger Ale wird traditionelles Ginger Beer fermentiert. Durch die natürliche Gärung entstehen Kohlensäure, ein leicht säuerlicher Geschmack.

Die Grundlage ist ein sogenannter „Ginger Bug“ - eine lebendige Starterkultur aus Ingwer, Wasser und Zucker, die wilde Hefen und Bakterien enthält. Diese sorgen dafür, dass die Fermentation in Gang kommt und das Getränk seine natürliche Spritzigkeit entwickelt.

Zubereitung Ginger Bug:

  • Tag 1: 200 ml Wasser in ein Glas geben. 3 Esslöffel ungeschälten, geraffelten Ingwer und 3 Esslöffel Zucker hinzufügen. Gut umrühren, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat. Das Glas mit einem Tuch und Gummiband abdecken und bei Raumtemperatur stehen lassen.

  • Tag 2 und folgende: Täglich 1 Esslöffel geraffelten Ingwer und 1 Esslöffel Zucker hinzufügen. Alles gut umrühren und wieder abdecken.

  • Nach etwa 5 bis 7 Tagen zeigen sich feine Bläschen an der Oberfläche. Der Ginger Bug ist nun aktiv und bereit zur Verwendung.

  • Nach der Verwendung sollte der Ansatz wieder mit etwas Wasser, Ingwer und Zucker „gefüttert“ werden. Er kann zwischen den Anwendungen in einem luftdichten Glas im Kühlschrank aufbewahrt werden. Gelegentlich empfiehlt es sich, alte Ingwerstücke durch frischen zu ersetzen.

Ähnlich wie ein Sauerteig wird der Ginger Bug regelmässig gefüttert und kann dauerhaft weitergeführt werden. Nach der Fermentation behältst du einen Teil des Ginger Bugs zurück und fütterst ihn erneut mit frischem Ingwer und Zucker. So kannst du immer wieder neues Ginger Beer damit herstellen.

Zutaten Ginger Beer:

  • 15 g frischer Ingwer

  • 900 ml Wasser

  • 50 g Ginger Bug (oder ca. 4 EL)

  • 70 g Zucker

  • 60 g Zitronen- oder Limettensaft

Zubereitung Ginger Beer:

  • Zerkleinere den Ingwer und koche ihn zusammen mit dem Wasser zu einem starken Ingwertee auf. Lasse die Mischung etwa 20 Minuten bei niedriger Hitze mit Deckel köcheln. Anschliessend vollständig abkühlen lassen, damit die lebenden Kulturen im Ginger Bug nicht beschädigt werden.

  • Gib den Ginger Bug, Zucker sowie Zitronen- oder Limettensaft in eine saubere 1-Liter-Flasche. Füge den abgekühlten Ingwertee durch ein Sieb dazu. Achte darauf, dass die Flasche nicht ganz gefüllt ist und oben etwa 3–4 cm Platz bleibt.

  • Verschliesse die Flasche und beschrifte sie mit Datum und Inhalt. Nun beginnt die Fermentation bei Raumtemperatur (ca. 20 °C). Nach etwa 3–5 Tagen ist das Ginger Beer in der Regel bereit. Vorsicht: Fermentierte Limonade kann in der geschlossenen Flasche schnell ziemlich viel Kohlensäure und damit Druck entwickeln, besonders bei Wärme. Lasse daher während der Fermentationszeit jeden Tag einmal Druck ab, um ein Überlaufen oder Bersten der Flaschen zu vermeiden.

  • Nach 3 Tagen kannst du vorsichtig prüfen, ob sich bereits Kohlensäure und Druck gebildet haben. Auch der Geschmack kann getestet werden: ist es noch zu süss oder zu mild, lasse es einfach noch 1–2 Tage weiter fermentieren.

  • Sobald Geschmack und Spritzigkeit stimmen, stelle das Ginger Beer in den Kühlschrank. Dadurch wird die Fermentation verlangsamt und das Getränk bleibt etwa eine Woche haltbar.

Kombucha (Teefermentation) - säuerlich & spritzig

Kombucha ist ein fermentiertes, leicht moussierendes Erfrischungsgetränk. Es wird traditionell aus gesüsstem Schwarz- oder Grüntee hergestellt. Durch die Zugabe des sogenannten „Teepilzes“ (SCOBY) wandeln Bakterien und Hefen den Zucker in wertvolle Säuren, Vitamine und eine natürliche Kohlensäure um.

Zutaten:

  • 1 Kombucha SCOBY (Teepilz)

  • 200 ml Ansatzflüssigkeit

  • 12 g Tee

  • 100 g Zucker

  • 1,3 L Wasser

Zubereitung:

  • Bringe 300 ml Wasser zum Kochen. Verwende idealerweise gefiltertes Leitungswasser oder stilles Mineralwasser.

  • Lass den Tee im heissen Wasser 8–10 Minuten ziehen und entferne anschliessend die Teeblätter oder den Teebeutel.

  • Gib den Zucker in den noch warmen Tee und rühre so lange, bis er sich vollständig aufgelöst hat.

  • Fülle nun den gesüssten Tee zusammen mit dem restlichen Wasser in dein Fermentationsgefäss. Der Tee kühlt dabei rasch ab. Dieser Schritt ist besonders wichtig, da die Kombuchakultur keine hohen Temperaturen verträgt – zu heiss würde sie beschädigt werden, da sie ein lebender Organismus ist.

  • Gib anschliessend die Starterflüssigkeit sowie den SCOBY (Teepilz) in den abgekühlten Tee.

  • Decke das Gefäss mit einem Geschirrtuch oder Küchenpapier ab und fixiere es mit einem Gummiband. So ist der Kombucha vor Insekten wie Essigfliegen geschützt, bleibt aber atmungsaktiv.

  • Stelle das Gärgefäss an einen warmen, ruhigen Ort. Ideal sind Temperaturen über 19 °C. Der Standort sollte luftig, aber vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sein.

  • Nach etwa 5 Tagen kannst du den Kombucha erstmals probieren. Ist er bereits angenehm säuerlich, kannst du den SCOBY entfernen und den fertigen Kombucha abfüllen. Falls nicht, lasse ihn einfach weiter fermentieren.

  • Für eine zweite Gärung füllst du etwa 80 % des Kombuchas in Flaschen und verschliesst diese luftdicht. Lässt du sie 1–3 Tage bei Raumtemperatur stehen, entsteht natürliche Kohlensäure. Anschliessend stellst du die Flaschen kalt.

  • Die restlichen 10–20 % verbleiben als Starterflüssigkeit im Glas und werden für den nächsten Ansatz verwendet.

  • Dann kannst du wieder bei Schritt 1 beginnen und deinen nächsten Kombucha ansetzen

Kwas (fermentiertes Brotgetränk) - malzig & säuerlich

Altbackenes Brot muss nicht im Müll landen – es kann die Grundlage für ein erfrischendes, fermentiertes Getränk sein. Kwas ist ein traditionelles, spritzig-saures Brotgetränk, das durch Fermentation aus Roggenbrot, Wasser, etwas Zucker und Rosinen entsteht. Er ist erfrischend, reich an Probiotika und lässt sich mit wenigen Zutaten ganz einfach selbst herstellen.

Zutaten:

  • 150–200 g altbackenes oder frisches Brot (am besten Roggen, alternativ Mischbrot)

  • 2,5 Liter Wasser

  • 100 g Zucker

  • 1 TL Zitronensaft oder ein paar Rosinen (ungeschwefelt)

Zubereitung:

  • Schneide das Brot in grobe Würfel und röste es im Backofen bei 180 °C Umluft für 10–15 Minuten, bis es dunkel und knusprig ist. Dadurch entsteht ein intensiveres Aroma.

  • Gib die gerösteten Brotwürfel in ein grosses hitzebeständiges Glas oder eine Karaffe und übergiesse sie mit dem kochenden Wasser.

  • Lass die Mischung etwa 12 Stunden bei Raumtemperatur ziehen und rühre zwischendurch gelegentlich um.

  • Seibe die Flüssigkeit anschliessend ab und rühre Zucker sowie Zitronensaft ein. Fülle alles in ein sauberes Einmachglas oder eine Flasche mit Gärverschluss.

  • Lass das Getränk nun für etwa 2 Tage bei Zimmertemperatur fermentieren, bis sich erste Bläschen bilden. Je länger es steht, desto intensiver wird der Geschmack.

  • Stelle das fertige Getränk danach in den Kühlschrank, um die Fermentation zu verlangsamen. Vor dem Trinken nochmals abseihen und gut gekühlt geniessen

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