Schweizer Future Foods
Die Lebensmittel für die Zukunft - der Weg zur nachhaltiger Ernährung.
Der WWF Schweiz hat gemeinsam mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) 30 sogenannte Future Foods identifiziert — Lebensmittel mit Potenzial für eine nachhaltigere Zukunft. Sie benötigen vergleichsweise wenig Ressourcen, fördern die Vielfalt auf Schweizer Äckern und können Landwirt:innen dabei helfen, besser mit den Folgen der Klimakrise umzugehen.
Gleichzeitig überzeugen die ausgewählten Pflanzen und Pilze auch ernährungsphysiologisch. Viele sind reich an Ballaststoffen, Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen und bieten eine spannende Alternative zu stark verarbeiteten oder tierischen Lebensmitteln.
Für die Auswahl wurden zunächst über 100 potenzielle Lebensmittel untersucht und anhand ihres Anbaupotenzials, ihrer Umweltbelastung, ihrer Nährwerte sowie ihrer Zukunftsfähigkeit bewertet. Daraus entstanden 30 Schweizer Future Foods aus unterschiedlichen Lebensmittelgruppen.
Ölsaaten
Future Foods: Hanf, Mohn, Öllein, Leindotter, Sonnenblume, Ölkürbis
Ölsaaten gehören zu den nährstoffreichsten Lebensmitteln überhaupt. Sie liefern gesunde Fettsäuren, Ballaststoffe und wertvolle Proteine. Viele Samen und Kerne können direkt gegessen oder zur Ölgewinnung verwendet werden.
Besonders spannend ist auch die Weiterverwendung der sogenannten Presskuchen. Das sind die festen Rückstände aus der Ölproduktion. Sie werden zunehmend für pflanzliche Fleischalternativen genutzt und zeigen, wie vielseitig Future Foods eingesetzt werden können.
Damit der Körper die enthaltenen Nährstoffe optimal aufnehmen kann, empfiehlt es sich, Samen und Kerne gemahlen oder geschrotet zu konsumieren. Für Erwachsene gilt die Empfehlung 30–50 Gramm Samen, Kerne und Nüsse pro Tag zu essen.
Getreide
Future Foods: Rispenhirse, Sorghumhirse, Triticale, Hafer, Mais
Obwohl Getreide ein zentraler Bestandteil unserer Ernährung ist, essen wir meist sehr einseitig, insbesondere Weizen dominiert unseren Alltag. Future Foods sollen hier mehr Vielfalt schaffen.
Getreide sind eine gute Kohlenhydratquelle mit meist niedrigem bis moderatem Proteingehalt. Sie liefern zudem Ballaststoffe sowie wichtige Vitamine und Mineralstoffe. Einige Sorten wie Hafer enthalten besonders hochwertiges pflanzliches Protein. Besonders wertvoll ist die Kombination von Getreide und Hülsenfrüchten, da sich ihre Aminosäuren optimal ergänzen.
Der Nährstoffgehalt hängt stark von der Verarbeitung ab. Deshalb wird empfohlen, täglich ca. 200–250 g Vollkorngetreide zu essen.
Pseudogetreide
Future Foods: Buchweizen, Chia
Pseudogetreide ähneln klassischen Getreiden, gehören botanisch jedoch zu einer anderen Pflanzenfamilie. Sie enthalten meist mehr Protein und Ballaststoffe als herkömmliche Getreidesorten und werden häufig als Vollkorn konsumiert.
Auch ökologisch bringen sie Vorteile mit sich: da viele Pseudogetreide blühen, bieten sie Nahrung für Bienen und andere bestäubende Insekten und tragen damit zur Biodiversität bei.
Hülsenfrüchte
Future Foods: Gelberbse, Sojabohne, Linse, Lupine, Kichererbse, Ackerbohne
Hülsenfrüchte zählen zu den wichtigsten pflanzlichen Proteinquellen und spielen besonders in der vegetarischen und veganen Ernährung eine zentrale Rolle. Neben Eiweiss liefern sie viele Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Zudem enthalten sie die Aminosäure Lysin, wodurch sie eine ideale Ergänzung zu Getreide darstellen. Hülsenfrüchte sind glutenfrei und daher auch als Stärkelieferant für glutenempfindliche und -intolerante Menschen interessant.
Einige Hülsenfrüchte enthalten einen hohen Anteil an unverdaulichen Oligosacchariden, die zu Blähungen führen können. Durch ausreichendes Einweichen, Kochen oder Fermentieren kann dem entgegengewirkt werden. Zudem kann sich die Darmflora mit der Zeit an den regelmässigen Verzehr von Oligosacchariden gewöhnen.
Knollengewächse
Future Foods: Süsskartoffel, Yacon
Knollengewächse dienen vor allem als Kohlenhydratquelle und gehören in vielen Küchen zu den Grundnahrungsmitteln. Neben der klassischen Kartoffel gibt es zahlreiche weitere Knollen mit Potenzial für eine vielfältigere Ernährung.
Sie können helfen, die landwirtschaftliche Produktion breiter aufzustellen und gleichzeitig neue Geschmacksrichtungen auf den Teller zu bringen.
Gemüse
Future Foods: Federkohl, Pak-Choi, Winterrettich, Schwarzwurzel, Pastinake, Catalogna
Die Vielfalt an Gemüsearten ist riesig, genutzt wird jedoch nur ein kleiner Teil davon. Future Foods setzen deshalb bewusst auf alte, robuste oder bisher wenig beachtete Gemüsesorten.
Gemüse liefert viele Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Dabei gilt: je abwechslungsreicher die Auswahl an Farben, Sorten und Zubereitungsarten, desto besser wird der Körper mit wichtigen Nährstoffen versorgt.
Nüsse
Future Foods: Walnuss, Haselnuss
Nüsse gelten seit Langem als wertvoller Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung. Sie enthalten gesunde ungesättigte Fettsäuren, Proteine, Ballaststoffe und wichtige Mineralstoffe wie Magnesium.
Besonders interessant sind ihre Omega-3-Fettsäuren, die unter anderem Herz und Gehirn unterstützen können. Bereits kleine Mengen pro Tag (30-50g) gelten als gesundheitsfördernd.
Zuchtpilze
Future Foods Champignons, Shiitake, Seitlinge, Enoki, Nameko
Zuchtpilze gelten als besonders ressourcenschonend und vielseitig. Sie können sowohl indoor als auch outdoor angebaut werden und benötigen vergleichsweise wenig Platz.
Gleichzeitig bringen sie Abwechslung in die pflanzliche Küche und überzeugen mit ihrer besonderen Textur und ihrem intensiven Geschmack.
Warum Future Foods wichtig sind
Die 30 Schweizer Future Foods zeigen, dass nachhaltigere Ernährung nicht kompliziert sein muss. Viele dieser Lebensmittel sind regional anbaubar, nährstoffreich und vielfältig einsetzbar.
Gleichzeitig fördern sie die Biodiversität auf Schweizer Äckern und helfen dabei, Landwirtschaft widerstandsfähiger gegenüber Klimawandel, Schädlingen und Marktschwankungen zu machen.
Vielleicht liegt die Zukunft unserer Ernährung also weniger in exotischen Superfoods — sondern vielmehr in einer grösseren Vielfalt direkt vor unserer Haustür.
Mehr Informationen zu den einzelnen Lebensmitteln und Rezeptideen findest du auf der Webseite von WWF.
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